Ubud – ein paar Schritte abseits
Dieser Text ist kein Reiseführer.
Er ist eine persönliche Einordnung darüber, warum ich mir auf Reisen
bewusst Orte abseits des Zentrums suche.

Ubud liegt im Inselinneren von Bali und gilt als kulturelles Zentrum der Insel.
Diese Insel kann laut, voll und widersprüchlich sein und gleichzeitig unglaublich ruhig, wenn man ein paar Schritte zur Seite geht.
Ich liebe Ubud. Wirklich.
Die Energie, die Yoga-Vibes, diese besondere Mischung aus Kultur und Kreativität.
Aber ich merke auch schnell, wenn mir alles zu viel wird:
Verkehr, Menschen, Reize.
Deshalb habe ich mich bewusst nie mitten ins Zentrum gesetzt, sondern Orte gesucht, die nah genug dran sind und trotzdem Luft lassen.
Genau diese Gegensätze haben Bali für mich spannend gemacht.
Nicht die einzelnen Highlights, sondern die Frage:
Wo fühlt sich Bali richtig an – und warum?

Penestanan
Penestanan liegt westlich des Zentrums von Ubud, nur wenige Minuten entfernt. Und fühlt sich doch ganz anders an.
Penestanan ist für mich nicht einfach nur ein Ort auf Bali.
Es fühlt sich nach Zuhause an, auf eine leise, unaufgeregte Art.
Ich war zum ersten Mal dort, lange bevor ich wusste, wie sehr mich diese Insel begleiten würde.
Damals habe ich einige Zeit in Penestanan in einer balinesischen Familie verbracht. Der Alltag war einfach und klar: morgens im Hof sitzen, Sprachunterricht in Bahasa Indonesia, lernen, wie man die kleinen Opfergaben für den Tag faltet.
Oft bin ich früh los, zu Fuß Richtung Campuhan Ridge Walk, für meine morgendlichen Runden zwischen Grün und Reisfeldern. Gegessen habe ich meist in einem kleinen, authentischen Warung.
Im Dorftempel habe ich Feste und Zeremonien miterlebt.
Nichts Inszeniertes, nichts für Besucher gedacht. Einfach Alltag.
Und für mich: magisch.
Penestanan war ruhig, bodenständig, echt.
Und trotzdem war all das nah, was ich an Ubud liebe:
Diese besondere Mischung aus Bewegung und Rückzug, aus Spiritualität und Alltag.
Yoga-Studios, Tempel, Essen in all seinen Formen, kleine Läden und der Markt – eingebettet zwischen Reisfeldern. Alles existiert nebeneinander.
Man kann eintauchen, sich treiben lassen oder bewusst Abstand halten.
Genau diese Wahlfreiheit macht Ubud für mich aus.
Einige Jahre später kam ich erneut nach Bali zurück, diesmal mit meinem Partner.
Nach einer intensiven Zeit unterwegs haben wir uns bewusst nach einem Ort gesehnt, der ruhig ist, aber nicht abgeschieden.
Und obwohl sich vieles verändert hatte, war dieses Gefühl sofort wieder da: Ankommen.
Nicht mitten im touristischen Trubel, sondern zwischen balinesischen Familien. Mit Hühnern, Mopeds, Tempelklängen und einem Alltag, der sich nicht nach Durchreise anfühlt.
Zu Fuß ist das Zentrum von Ubud erreichbar, viele fahren diese Strecke mit dem Roller.
Ich bin gerne zu Fuß unterwegs gewesen, aus Vorsicht, aber auch aus Neugier.
Gerade dadurch habe ich die Umgebung intensiver wahrgenommen.

Für mich lag genau darin der Reiz.
Ubud nutzen zu können, wenn mir nach Bewegung, Inspiration oder Austausch war und mich danach wieder zurückzuziehen, an einen Ort, der leiser ist.
Dieser kleine Ortsteil von Ubud steht für mich stellvertretend für das,was Bali ausmacht und warum diese Insel so unterschiedlich erlebt wird.
Man kann eintauchen.
Oder Abstand halten.
Und genau das ist mein Bali.

